Vor allem Waldbesitzer mit geringen Erfahrungen in der Nutzung ihrer Wälder und oftmals unzureichender Kenntnis über die genaue Lage und den Zustand ihrer Waldflächen benötigen zur Motivation das Gespräch vor Ort mit einem Fachmann. Dies kann der örtliche Betreuungsförster, aber auch ein Mitarbeiter der Forstbetriebsgemeinschaft sein. Forstkompetenz kann auch bei den Mitarbeitern von Selbstwerberunternehmen oder freien Sachverständigen angenommen werden, vor allem dann, wenn sie ortsbekannt sind bzw. sich bei einer Waldbesitzerversammlung oder bei anderen Anlässen persönlich vorgestellt haben.
Die Ansprache vor Ort kann auch als gemeinsamer Waldbegang mit einer Gruppe von Privatwaldbesitzern gestaltet werden, zu dem die Waldbesitzer eingeladen werden. Weiterhin können Waldbesitzer auch zu bestimmten Zeiten an bestimmte Waldorte zu einer Waldsprechstunde eingeladen werden.
Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass Veranstaltungen von Gruppen von Waldbesitzern kein Ersatz für das persönliche Einzelgespräch vor Ort sind. Obwohl durch Anschreiben und gemeinsamen Waldbegang scheinbar ausreichend informiert, wünschen Waldbesitzer oftmals eine weitere Individualberatung, sei es vor Ort oder Zuhause bzw. in der Dienst-/Geschäftsstelle des Beraters. Die Motivation zur Nutzung scheint dann am erfolgreichsten zu gelingen, wenn die konkrete Maßnahme im eigenen Bestand diskutiert wird.
Waldbesitzerversammlungen dienen der allgemeinen Information der Waldbesitzer über Fragen der Nutzung und können als erster Schritt oder als Zwischenschritt nach schriftlichen oder mündlichen Erstkontakten sinnvoll sein.
Wurde bislang in einer Region noch wenig genutzt, dann können solche Versammlungen dazu dienen, eine positive Grundstimmung zu schaffen. Weiterhin können sich maßgebliche Akteure persönlich vorstellen und eine Vertrauensbasis aufbauen. Berichte bereits nutzungserfahrener Waldbesitzer aus vergleichbaren Nutzungen erzeugen zusätzlich Vertrauen. Dazu kann auch die Anwesenheit von Unternehmern oder Holzkäufern beitragen, die sich Fragen zur Pfleglichkeit der Bestände und Verwertung des Holzes stellen.
Zudem bietet eine solche Veranstaltung Gelegenheit, im direkten Kon Veränderungen bei Revierzuschnitten, den Forstbetriebsgemeinschaften, bei Verarbeitern vorzustellen.
| Empfehlung: Durchführung einer Waldbesitzerversammlung.
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- Vor der Veranstaltung.
Idealer Weise ist ein lokaler Veranstaltungsort zu wählen, den jeder kennt, der allgemein akzeptiert und gut erreichbar ist, z. B. Gemeindesaal, Dorfgemeinschaftshaus, örtliches Gasthaus.
Einladen sollten möglichst viele forstliche Akteure: FBG, örtliches Forstamt, Gemeinde. Die Maßnahme als gemeinsame Initiative darstellen.
Bei größeren Veranstaltungen die örtliche Presse (i. d. R. Zeitung) einladen.
- Während der Veranstaltung.
Durch die Einbeziehung anderer Redner überzeugen (z. B. Revierleiter, bereits nutzende Waldbesitzer aus Nachbargemeinden, lokale Unternehmer).
Anschaulich bleiben und Sachverhalte mit Hilfe von Bildern darstellen (z. B. ausgewählte Bilder vorangegangener Nutzungen zeigen).
Beispielkalkulationen vorbereiten und grafisch aufarbeiten ('Was kommt bei der Nutzung raus?').
Transparenz herstellen und gleichzeitig die Vorteile der gemeinsamen Vermarktung aufzeigen (Preise des Holzes, Kosten der Holzernte und Kosten der Vermarktung darstellen).
Auf mögliche Kritik / Skepsis vorbereitet sein (negative Erfahrungen durch Sturm, Probleme vorangegangener Nutzungen, unterschiedliche Holzpreisvorstellungen).
Genügend Raum für Fragen lassen (mind. 1/3 der Veranstaltungszeit).
- (direkt) Nach der Veranstaltung.
Einzelnen Waldbesitzern oder Gruppen Vor-Ort-Gespräche anbieten.
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Oftmals ist der Waldbesitzer dem FBG-Personal oder dem staatlichen Betreuungsförster seit langem bekannt. In diesen Fällen können formalisierte schriftliche Anfragen oder offizielle Einladungen eher befremdlich wirken. Hier bietet sich eine telefonische Ansprache besonders an.
Aber auch nach einer schriftlichen Anfrage über die Teilnahme an einer gemeinschaftlichen Nutzung muss i.d.R. nachtelefoniert werden. Erfahrungsgemäß antwortet ein großer Teil der Angeschriebenen nicht.
| Tipp: Hinweise zum Führen eines korrekten Telefongespräches
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- Korrekt und deutlich melden!
"Guten Tag, Paul Ruloff hier, der Revierleiter vom Forstamt
"
Hinweis: Der Gesprächspartner kommt aus der Küche, vom Fernsehen oder aus dem Stall. Es ist gedanklich noch nicht ‚im Wald’. Sprechen Sie daher langsam und deutlich und in kurzen Sätzen. Das Nennen des Vornamens wirkt persönlicher. Gehen Sie davon aus, dass das Telefon Ihre Stimme immer etwas unfreundlicher klingen lässt, als dies tatsächlich der Fall ist.
- Den gewünschten Gesprächspartner verlangen!
"Ist Ihr Mann zuhause?" oder Ist Herr Erwin Gürtler zuhause?
Hinweis: Auch wenn es der zwölfte Versuch ist: warten Sie geduldig ab; tippen Sie nicht nebenher irgendwelche Listen in den Computer. Klemmen Sie nicht den Hörer zwischen Schulter und Ohr. Diese Haltung verändert Ihre Stimmlage. Stellen Sie sich auf Ihr Gegenüber ein.
- Ziel des Gesprächs nennen: die Nutzung im Erlengrund!
"Hallo Erwin! oder Guten Tag Herr Gürtler! Ich melde mich, weil wir demnächst im Erlengrund Holz hauen…"
Hinweis: Benennen Sie das Nutzungsvorhaben und was Sie von dem Waldbesitzer erwarten klar und deutlich. Die notwendigen Unterlagen (Flurstück, Waldortbezeichnungen, Stift, Papier) müssen am Schreibtisch neben dem Telefon liegen. Sie sollten nicht anfangen müssen zu kramen und dann polternd mit einem ‚Wo ist denn jetzt diese Karte?’ ihren Gesprächspartner quälen.
- Argumente bereithalten!
"Es bleibt genug Brennholz aus der Nutzung übrig…"
"Es bleibt auch Geld übrig …"
"Die Nachbarn machen auch mit."
"Wir gehen vorsichtig rein …"
Hinweis: Es gibt viele gute Argumente für eine Holznutzung. Trotzdem sollte der Waldbesitzer nicht einem Redeschwall ausgesetzt sein. Argumentieren Sie kurz und ruhig. Machen Sie sich bewusst, dass Sie der Dienstleister sind und Ihr Gegenüber der Eigentümer.
- Auf Kritik eingehen!
- "Die Wege habt Ihr am Donnersberg im letzten Jahr aber völlig kaputt gefahren…"
- "Ja, stimmt, das ist nicht gut gelaufen. Wir haben ihn hinterher reparieren müssen. Diesmal wird das im Vertrag besser geregelt. Die Fuhrunternehmer müssen die Wege abziehen und bei Extremwitterung wird nicht gefahren."
Hinweis:Auch wenn der Gegenüber kritisch reagiert, sollten Sie freundlich bleiben. Nehmen Sie die Kritik auf und argumentieren dann knapp dagegen. Sie sollten Sie sich im Vorfeld auf mögliche Gegenargumente einstellen. Hinter Kritik verbergen sich oftmals weniger Argumente gegen die Nutzung als lang bestehende Familienfehden, Dorfklüngeleien oder ähnliches, die nichts mit der Sache zu tun haben.
- Fortsetzung klären!
"Wir treffen uns dann am Donnerstag um 12.00 Uhr bei dir im Wald!"
"Dann rufe ich dich nächsten Mittwoch um die gleiche Uhrzeit noch mal an!"
Hinweis: Vereinbaren Sie einen konkreten Termin am Telefon oder auf der Fläche. Das Gesprächsergebnis darf nicht ‚Wir sprechen uns dann noch mal’ sein.
- Positiv verabschieden!
"Gut Paul, dann einen schönen Abend noch und auf Wiedersehen"
"Vielen Dank und auf Wiederhören."
Hinweis: Verabschieden Sie sich freundlich! Auch wenn es viele Gegenargumente oder gar harsche Kritik gab: der Schluss muss positiv sein.
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| Aus der Praxis: Telefongespräch
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[Nr. 3.2]
Inhalt
Beispiel eines Waldbesitzergesprächs zur Vorbereitung eines Nutzungsblockes in 2007. Der Waldbesitzer (Name verändert) ist dem FBG-Mitarbeiter (im folgenden ‚FBG’) bekannt. Ziel ist die Einbindung der Flächen in eine Nutzungsmaßnahme.
Vorbereitung und Auswertung:
FBG wurden die wesentlichen Grundzüge eines Interviews (s.o.) vorher mündlich vermittelt. Das Telefon war nicht auf ‚Mithören’ gestellt. Das Gespräch wurde hinterher aus dem Gedächtnis protokolliert. Das Interview wurde ins Hochdeutsche übertragen. Räuspern, Betonungen oder Wartezeiten wurden nicht dargestellt. Insgesamt büßt die schriftliche Darstellung dadurch stark an Authentizität ein. Orts- und Personennamen wurden geändert.
Ergebnisse
FBG (ruft an): Ruloff von der FBG Hauenstein hier.
Frau Gürtler: Gürtler. Ja?
FBG: Guten Tag Frau Gürtler. Ist Ihr Mann zuhause?
Frau Gürtler: Ja, ich hol ihn.
Herr Gürtler: Gürtler, Ja?
FBG: Guten Abend Paul. Wie geht es? Wir hauen demnächst Holz im Erlengrund. Deine Fichten stehen dort auch dicht, die könnten wir mit durchforsten.
Herr Gürtler: Mmh. Ich wollte dort im Winter Brennholz machen.
FBG: Da bleibt genug Gipfelholz übrig. Ich meine auf alle Fälle genug für deinen Kachelofen.
Herr Gürtler: Ist nicht nur für mich. Mein Sohn braucht auch Holz. Außerdem, der Bichler Simon hat letztes Jahr dort gehauen und dann hat ihm der Wind nochmals was draufgelegt. Das ist ein nasses Loch. Ich weiß nicht so recht?
FBG: Mmmh. Eigentlich gehören da auch keine Fichten hin, ist zu nass. Aber ein vorsichtiger Eingriff würde eher helfen als schaden; wenn du willst, dann zeichnen wir auch zusammen aus?!
Herr Gürtler: Und die Wege hinterher? Wenn das wieder so eine Sauerei gibt…
FBG: Mmh. Das klappt nicht immer. Die Fuhrleute sollen nur bei Forst oder trockener Witterung fahren. Herr Gürtler: So heißt es am Anfang immer. Und hinterher fahren sie bei jedem Wetter.
FBG: Ja, ich steh’ halt auch nicht immer auf der Matte…Komm, wir schaun uns die Sache draußen an; dann können wir auch über die Preise reden.
Herr Gürtler: Wenn da nichts rausschaut mach ich überhaupt nicht mit.
FBG: Es bleibt auf alle Fälle was über; der Gruber von Heiligenfeld macht auch mit.
Herr Gürtler: Der Gruber macht mit? Mmm. Ich überleg’s mir und schau’ selber mal raus. Ruf mich nächste Woche an.
FBG: Gut bis nächste Woche; ich ruf’ dich Mittwoch Abend an. Schönen Abend noch.
Fazit
Die Haltung des Waldbesitzers war eher kritisch. FBG musste sich anstrengen freundlich zu bleiben. Nach Aussage von FBG, ist ihm der Waldbesitzer eher unsympathisch. Das Gespräch wäre ohne die Anwesenheit eines dritten Zuhörers vermutlich weniger freundlich verlaufen. Als Erfolg wird bewertet, dass der kritische Waldbesitzer Gürtler dazu bewegt werden konnte, sich seinen Wald anzuschauen und zu einem weiteren Telefonat bereit zu sein. FBG merkt an, dass er ‚Gelabere und Rumgesülze’ nicht mag.
Kontakt
Elmar Franzen, Geschäftsführer EWH Bitburg
E-Mail:
»franzen@ewh-bitburg.de
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