Nachgehakt...

...bei Dr. Christof Oldenburg, Geschäftsführer des Waldbesitzerverbandes in Sachsen

Informationsdienst Holzmobilisierung: Herr Oldenburg, Holz ist zur Zeit nicht sehr gefragt - sollte man den
Kleinprivatwald nicht besser in seinem Dornröschenschlaf lassen?

Christof Oldenburg: Nein, ich denke das ist keine sinnvolle Lösung. Die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz wird wieder steigen, vielleicht eher im energetischen als im stofflichen Bereich. Darauf sollten wir vorbereitet sein. Darum heißt es, bereits entstandene Strukturen auch in schwierigen Zeiten zu pflegen und weiterzuentwickeln. 

IH: Wie würden Sie den sächsischen Kleinprivatwaldbesitzer beschreiben? Gibt
es ihn überhaupt?

CO: DEN Privatwald an sich gibt es genauso wenig wie DEN Kleinprivatwald. Fakt ist: in Sachsen gibt es etwa 85.000 Waldbesitzer. Deren Flächen sind im Schnitt um die 2 ha groß und meist über mehrere Flurstücke verteilt. Das sind nicht unbedingt ideale Voraussetzungen für eine den Marktbedingungen angepasste Forstwirtschaft. Ein Großteil der Kleinprivatwaldbesitzer bringt kein Holz auf den Markt – so heißt es immer wieder. Das stimmt nur zum Teil, denn viele Waldbesitzer nutzen ihr Holz zur Eigenversorgung mit Brennholz oder verkaufen dieses an Nachbarn.

IH: Was unternimmt der Verband für dieses besondere Klientel?

CO: Ich persönlich glaube, dass vor allem die Stärkung der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse, sprich der FBG, der richtige Weg ist, den Kleinprivatwald nach vorn zu bringen. Waldbesitzer sollten sich grundsätzlich selbst um ihr Eigentum kümmern. FBGen bieten dabei in Sachsen sehr gute Unterstützung im Rahmen der „Hilfe zur Selbsthilfe“ an. Für die Stärkung der Forstbetriebsgemeinschaften, vor allem für deren Selbstständigkeit, engagiert sich der Sächsische Waldbesitzerverband in besonderem Maße.

IH: Der Organisationsgrad der Waldbesitzer in Sachsen - sowohl was Fläche als auch Köpfe betrifft - ist nicht sehr hoch. Haben Sie sich damit abgefunden oder kämpfen Sie noch?

CO: Im Durchschnitt sind FBG in Sachsen etwa 1.400 ha groß. In Thüringen sind FBG im Schnitt dagegen nur knapp 500 ha groß. Viele FBGen heißt darum noch nicht automatisch bessere Bedingungen für private Waldbesitzer. Es kommt darauf an, FBGen fit für die Zukunft zu machen – und das heißt, sie müssen soweit wachsen, damit sie wirtschaftlich eigenständig sind und langfristig ohne staatliche Hilfe überleben können. Wenn mich Waldbesitzer zum Zusammenschlusswesen fragen, rate ich stets, sich einer bereits existierenden FBG anzuschließen. In den ertragsschwachen Gebieten im Osten Sachsens sollte man auch über den Zusammenschluss von FBGen nachdenken.

IH:
Forschungsstandort, Sitz großer Holzabnehmer, ein starker Forstunternehmerverband, über mehrere Jahre Pilotregion in einem Mobilisierungsprojekt des HAF, Fördermöglichkeiten durch die Mobilisierungsprämie, Verbandszentrale hier in Tarandt..., eigentlich ein optimales Arbeitsfeld. Was fehlt Ihnen noch für die politische-fachliche Arbeit im Rahmen der Holzmobilisierung?

CO: Seit einiger Zeit beobachten wir bei den Entscheidungsträgern in Sachsen einen gewissen positiven Sinneswandel hinsichtlich der Bedeutung der Forstwirtschaft. Das heißt aber noch nicht, dass die Wichtigkeit des Clusters Forst & Holz überall im Land erkannt wird. Wenn Politiker vom „ländlichen Raum“ reden, meinen sie fast ausschließlich die Landwirtschaft. Das muss sich ändern! Schließlich sind fast 30 % des Landes mit Wald bedeckt. Außerdem halte ich die Informationspolitik staatlicher Stellen in Bezug auf wichtige Themen, die den Privat- und Körperschaftswald berühren, für verbesserungswürdig. Es gibt immer wieder Tendenzen sowohl im Umweltministerium als auch beim Staatsbetrieb Sachsenforst, im Sinne eines Alleinvertretungsanspruches auch für die Belange des Privat- und Körperschaftswaldes zu sprechen. Das lehnt der Verband ab. Ganz wichtig ist es, für die Waldbesitzer optimale Rahmenbedingungen zu schaffen.

IH: Waldpacht, freiwilliger Waldtausch, Flurbereinigung - was halten Sie von den stärker ins Eigentum greifenden Vorschlägen?

CO: Die Unantastbarkeit des Eigentums ist durch das Grundgesetz gewährleistet. Bereits jetzt ist der Waldbesitz wie kaum eine andere Eigentumsart dem Zugriff Dritter ausgesetzt. Trauriger Höhepunkt sind z. B. die in Sachsen neu geschaffenen FFH–Gebietsbetreuer, die Waldbesitzern das Leben vermutlich weiter erschweren werden. Daneben liegt natürlich die Entscheidung, ob Wald verpachtet oder getauscht wird, letztlich beim Eigentümer. Mit staatlichem Zwang, das hat die DDR–Politik gezeigt, richtet man viel Schaden an und stiftet wenig Nutzen.

IH: Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit der Verwaltung - Kreis oder Forstverwaltung - beschreiben? Gibt es einen gemeinsamen Nenner?

CO: Die Zusammenarbeit ist konstruktiv, wenn es auch zu gewissen Dingen unterschiedliche Auffassungen gibt. Aber das liegt in der Natur der Sache. Unser gemeinsamer Nenner ist sicher das Engagement um den Wald in Sachsen. Unsere Wege können dabei aber durchaus unterschiedlich sein. Wie unterschiedlich, das ist in unserem „Positionspapier zur Zukunft der Forstwirtschaft in Sachen“ nachzulesen.

IH: Herr Oldenburg, Vielen Dank für das Gespräch!