Nachgehakt...
...bei Martin Lotze, Privatwaldbetreuer von Landesforsten Rheinland-Pfalz und seit 15 Jahren im Raum Bitburg tätig
Informationsdienst Holzmobilisierung: Herr Lotze, können Sie den Begriff 'Holzmobilisierung' überhaupt noch hören?
ML: Nun ja, manchmal höre ich den Begriff zu oft. Allerdings zeigt die häufige Nennung dieses Wortes, wie wichtig meine Arbeit und die meiner Kollegen im Privatwald ist. Die Holzvermarktung spielt zwar im Privatwald eine große Rolle, jedoch müssen wir darauf achten, dass sich nicht alle Maßnahmen der Mobilisierung unterwerfen.
IH: Sie sind seit 20 Jahren in der Betreuung des Privatwaldes unterwegs. Wie
hat sich in dieser Zeit ihr Arbeitsfeld geändert?
ML: Am Anfang gab es noch zahlreiche Waldbesitzer, die ihren Wald in eigener Regie gepflegt haben. Überörtlicher Unternehmereinsatz war die Ausnahme. Der Holzverkauf erfolgte in sicheren, ruhigen Bahnen, es galt noch das gesprochene Wort. Die geernteten Holzmengen waren geringer als heute, der Absatz erfolgte über das Gemeinschaftsforstamt. Käufer waren oft regionale, kleinere Sägewerke. Insgesamt war die Situation stabiler und langfristig planbarer als heute. Es gab deutlich weniger Hilfsmittel als heute, keine EDV, keine Mobiltelefone.
IH: Und heute, wie viele Waldbesitzer und wie viele Hektar Privatwald betreuen Sie?
ML: Ca. 10.000 Waldbesitzer auf ca. 3000 ha.
IH: Haben sich auch die Waldbesitzer geändert? Oder sind es noch die
gleichen wie zu Beginn Ihrer Arbeit?
ML: Die Struktur der Waldbesitzer hat sich deutlich geändert. Früher gab es den typischen Waldbesitzer aus dem landwirtschaftlichen Bereich, oft mit eigenen Maschinen und Zeit für die Waldarbeit. Durch den Generationswechsel, die Vererbung der Wälder und durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft habe ich heute überwiegend mit anderen Waldbesitzern zu tun. Zum einen Landwirte, die ihren Wald nicht selbst bewirtschaften können oder wollen. Zum anderen Menschen, die keine Erfahrung in eigenen Wald haben und die am liebsten das "Rundum-sorglos-Paket" in Anspruch nehmen. Hinzu kommt eine neue Generation von Waldbesitzern, die den wirtschaftlichen Aspekt des Waldes intensiv nutzen wollen.
IH: Mit der Mobilisierungsprämie erhalten die Forstbetriebsgemeinschaften
einen Anreiz zur Eigeninitiative bei der Holzvermarktung, den auch der
Waldbauverein Bitburg umgesetzt hat. Fühlen Sie sich dadurch um ein
Arbeitsfeld ärmer oder haben Sie jetzt einfach mehr Zeit für die
Ansprache und Betreuung der Waldbesitzer die bisher vielleicht zu kurz
gekommen sind?
ML: Natürlich ist es mir nicht leicht gefallen, einen Teil meiner Arbeit abzugeben, besonders weil der Holzverkauf den erfolgreichen Abschluss einer Maßnahme darstellt. Außerdem erfolgte der Verkauf von Holz aus dem Privatwald im Gemeinschaftsforstamt Bitburg immer bevorzugt. Jetzt gibt es eine Schnittstelle mehr, mehr Informationen sind auszutauschen und der Privatwald steht alleine als Vertragspartner dar. Insgesamt habe ich aber durch den Wegfall des Holzverkaufes mehr Zeit für die Ansprache der Waldbesitzer und für die Planung von Maßnahmen. Hinzu kommt, dass sich die "Werkzeuge" von Landesforsten in den letzten Jahren deutlich verbessert haben.
IH: In der Eifel wachsen nicht nur gerade Fichten (für die Holzindustrie)
sondern Rheinland-Pfalz ist auch das Bundesland mit dem größten
Niederwaldanteil. Ist dieser Waldtyp lediglich ein Brennholzreservoir
oder auch ein Arbeitsfeld für Sie?
ML: Die zur Vermarktung anstehenden Brennholzmengen sind sehr gering. In der Regel nutzen die Waldbesitzer ihr Brennholz selbst oder es wird vor Ort vergeben. Hier werde ich nur tätig, wenn die Wälder ausgezeichnet werden sollen.
IH: Die Informationsplattform www.info-holzmobilisierung.de, in die auch
unser Interview eingestellt werden soll, wendet sich an Menschen mit
Ihrem Aufgabenfeld. Schon mal reingeschaut? Etwas Nützliches gefunden?
ML: Reingeschaut habe ich schon. Ich denke, die Plattform kann helfen, wenn in Bereichen neu mit der Holzmobilisierung begonnen wird. Durch die intensive Zusammenarbeit mit dem HAF sind mir die meisten Dinge bekannt. Im Rahmen der Privatwaldbetreuung in Rheinland-Pfalz wurde bereits oft so gearbeitet wie dargestellt. Bestimmt trägt die Plattform dazu bei, die Maßnahmen zu vereinheitlichen und den Aufwand für den einzelnen Akteur zu reduzieren.
IH: Ein Blick in die Zukunft. Werden Sie in 10 Jahren immer noch
Privatwaldbesitzer beraten? Und wo könnte der Arbeitsschwerpunkt eines
staatlichen Privatwaldbetreuers dann liegen?
ML: Ich gehe davon aus, dass ich auch in 10 Jahren noch Privatwaldbetreuer sein werde. Zumindest möchte ich dies. Wie die Aufgaben dann aussehen, ist schwer vorher zu sehen. Ich hoffe, dass ich dann immer noch im Rahmen des Gemeinschaftsforstamtes tätig sein werde. Eine Auslagerung des Privatwaldes aus diesem System würde zahlreiche Nachteile bringen.
IH: Herr Lotze, ich Danke Ihnen für das Gespräch!










