Nachgehakt...

...bei Uwe Prietzel, Geschäftsführer des NABU Baden-Württemberg

Informationsdienst Holzmobilisierung: Herr Prietzel, haben Sie im Rahmen Ihrer Arbeit beim NABU schon mal den Begriff 'Holzmobilisierung' gehört?


Uwe Prietzel: Ja, der Begriff ist mir bekannt. Persönlich habe ich ihn insbesondere mit der steigenden Nachfrage nach Brennholz im Zusammenhang mit den steigenden Ölpreisen wahrgenommen.


IH:
Kleinprivatwald in Baden-Württemberg - das ist Plenterwald, Tannen für das Expodach oder Sparkassenfunktion. Welchen Zugang hat der Naturschutz zu Kleinprivatwald?


UP:
Na ja, wenn ich an Kleinprivatwald denke habe ich häufig ganz andere Bilder vor Augen: Dunkle Fichten Stangen- und Baumhölzer, in denen man auch tagsüber eine Taschenlampe benötigt um festzustellen, dass am Boden kein Kraut wächst. Hier dürfte auch aus Naturschutzsicht gerne reichlich Holz mobilisiert werden  um Licht, Luft und Vielfalt in die Bestände zu bringen. In stufigen und dauerwaldartigen Plenterwäldern schlägt das Herz des Naturschützers natürlich in der Regel höher.


IH:
Wie sprechen Sie diese Klientel an? Auf Ihrer Internetseite werden die wenigsten Waldbesitzer vorbeisurfen.


UP:
Sicherlich nicht alle, aber bei bundesweit über 400.000 NABU-Mitgliedern, davon alleine in Ba-Wü 69.000, gehe ich davon aus, dass auch der eine oder
andere Waldbesitzer dabei ist (verschmitztes Lächeln). Ansonsten beschränkt sich der Zugang des NABU zu den Kleinprivatwaldbesitzern aktuell auf eher zufällige Kontakte unserer Ehrenamtlichen vor Ort. Als Landesverband galt der Fokus bislang dem Staats- und Kommunalwald. Ein Beispiel: die Prämierung von Naturwaldgemeinden. Engere Kontakte und gemeinsame Modellprojekte, die zeigen, dass (Privat-)Waldbesitzer und Naturschützer beim Erhalt unseres Naturerbes an einem Strang ziehen würde ich begrüßen.


IH:
Wenn sich der Kleinprivatwald in Zusammenschlüssen so organisiert, dass Nutzungsintensität und Form dem Großprivatwald oder Staatswald ähneln. Ist das der Konflikt zwischen 'mehr Einkommen im ländlichen Raum' und 'weniger Totholz'?


UP:
Das muss nicht zwangsläufig auf diese Art von Konflikt herauslaufen. Das Bewusstsein für die Bedeutung von Totholz ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen und es gibt auch im Großprivat- und Staatswald durchaus Betriebe, die vormachen, wie sich Ökonomie und Ökologie wunderbar vereinbaren lassen. Natürlich wünsche ich mir eine Orientierung an den vorbildlichen Beispielen und nicht an den schwarzen Schafen.


IH:
Etwa ein Viertel des Privatwaldes in Baden-Württemberg liegt in FFH-Gebieten. Was erwarten Sie, wird auf diesen Flächen passieren?


UP:
Wir erwarten selbstverständlich von jedem Waldbesitzer, dass er sich an geltendes Recht hält und dazu zählt auch das verbindliche Regelwerk im Zusammenhang mit NATURA 2000. Wir erwarten aber gleichzeitig deutliche Widerstände gegen Reglementierungen, zumal die Vorbildfunktion in den anderen Waldbesitzformen auch nicht immer gegeben ist. Ich würde erwarten bzw. wünsche mir, dass auch Privatwaldbesitzer FFH als Auszeichnung und Chance begreifen, um zur Sicherung der biologischen Vielfalt beizutragen.


IH:
Für den Einen eine Auszeichnung für den Andern eher Einkommensverlust. Halten Sie die bestehenden Ausgleichsmaßnahmen für ausreichend?


UP:
Pauschale Antworten greifen hier m.E. zu kurz. Mit Nutzungseinschränkungen ist ja nur dann zu rechnen, wenn die geplante Bewirtschaftung dem Schutzzweck entgegensteht. Sofern die bisherige Nutzungsform, die ja zur Schutzwürdigkeit geführt oder zumindest dazu beigetragen hat, beibehalten wird, sind keine unzumutbaren Beschränkungen zu erwarten. Verallgemeinernde Forderungen nach Ausgleichsmitteln halte ich für unangebracht. Hier muss der konkrete  Einzelfall betrachtet werden.


IH:
Herr Prietzel, wir danken Ihnen für das Gespräch!