Die wissenschaftliche Diskussion

In wissenschaftlichen Arbeiten finden sich seit einiger Zeit Ansätze zur Typisierung von Waldbesitzern:

  • Becker und Borchers (2000) unterscheiden in einer Studie für Nordrhein-Westfalen den eher ökonomisch  orientierten, den universal interessierten, und den eher ökologisch orientierten Waldbesitzertyp.
  • In Veröffentlichungen zu Waldbesitzermotiven und ihrer strukturellen Bedingtheit befassen sich Mutz und Becker (2001) mit den situativen Einflussgrößen, die auf menschliches Verhalten wirken. Die 'Situation' wird anhand von Strukturparametern wie z.B. der Waldbesitzgröße beschrieben.
  • Die Typisierung Schaffners am Lehrstuhl für Forstpolitik in München (SCHAFFNER, 2001) basiert auf der Ausprägung von Nutzung und Vermarktung im Privatwald. Es werden darin sechs Kategorien vom nicht nutzenden Waldbesitzer über den in Eigenregie nutzenden und vermarktenden Waldbesitzer unterschieden.
  • In seiner Dissertation befasst sich Schurr (SCHURR, 2006) intensiv mit der Frage des kleinstrukturierten Waldbesitzes in Sachsen.
  • Schraml hat sich in einer Analyse eingehend dem Begriff des 'Urbanen Waldbesitzers' (SCHRAML, 2006; SCHRAML UND VOLZ, 2003 ) angenommen und Waldferne/Waldnähe sowohl anhand des tatsächlichen Wohnortes wie auch des Lebensstils von Waldbesitzern untersucht.
  • Für Österreich kommt Weiß zu einer Klassifizierung nach traditionellen Waldeigentümern, Übergangstypen und neuen Waldeigentümern. Dabei werden verschiedene Untergruppen gebildet und Faktoren definiert, die eine Waldbewirtschaftung fördern können, und solche, die einer Bewirtschaftung eher im Wege stehen.

Ausgewählte Ergebnisse

Waldbesitzer bestehen aus sehr heterogenen Gruppen, die sich durch die unterschiedliche Ausprägung von Merkmalen und Motiven auszeichnen. Einige davon seien hier angeführt:

  • kleine, mittlere und große Besitzgrößen kommen nebeneinander vor
  • Eigentümer können waldnah bis sehr waldfern leben
  • Geschlecht, Beruf, Alter kommen in den unterschiedlichen Konstellationen vor
  • Holz wird durch den Eigentümer genutzt oder vom Unternehmer eingeschlagen
  • Naturschutzinteressen und Nutzungsinteressen können einander direkt gegenüberstehen.

Im folgenden sollen einzelne dieser Aspekte, die in Forschungsuntersuchungen detailliert untersucht wurden, herausgegriffen und kurz vorgestellt werden. Die Ergebnisse können nicht verallgemeinernd sein; sie sollen viel mehr das heterogene, regional sehr unterschiedliche Bild des Waldbesitzers und seiner Motive widerspiegeln.

 

Ist der Waldbesitzer bekannt?

Die Adresse des Waldbesitzers ist im Liegenschaftsbuch festgehalten oder - falls vorhanden - in einer Waldbesitzerdatei der Landesforstverwaltungen. Die Adresse ist in der Regel abrufbar durch den Revierleiter, wenn er nutzungswillige Nachbarn zusammenbringen will, Käferbäume gefällt werden müssen oder ein Durchforstungsblock geplant wird. Für andere Akteure rund um die Nutzung im Kleinprivatwald (Selbstwerber, Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse) ist dieser Weg an die Adressen normalerweise aus Datenschutzgründen nicht möglich.

In der Praxis zeigt sich, dass die Adressen der Waldbesitzer – vorausgesetzt ist der Zugang zum Liegenschaftskataster - zumeist in hohem Maße recherchiert werden können.

 

  • Waldbesitzerbefragung Lausitz (2005)
    98 % der Waldbesitzer konnten identifiziert und angeschrieben werden Grundgesamtheit 331 Waldbesitzer
    Wippel, Becker (2006): Quartalsbericht für den Holzabsatzfonds
     
  • Stichprobenerhebungen in der Schweiz (2007)
    98% der Waldbesitzer konnten identifiziert werden
    Grundgesamtheit 2620
    Zimmermann (2007).

 

Beide Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass der Waldbesitzer möglicherweise ein wenig erforschtes, jedoch kein 'unbekanntes Wesen' ist. Mit Hilfe von ALB und Waldbesitzerdatenbanken sind die Adressen der Waldbesitzer identifizierbar.

 

Ausmärker oder vor Ort: wo wohnt der Waldbesitzer?

In den Blick der Privatwaldforschung sind in den letzten Jahren zunehmend Ausmärker und urbane Waldbesitzer gelangt. Dahinter liegt die Vermutung oder die Erfahrung, dass der Waldbesitzer durch Generationenübergang, Aufgabe landwirtschaftlicher Betriebe, Umzug in städtische Regionen zunehmend entfernt von seinem Besitz wohnt.

Interessant in diesem Zusammenhang sind Auswertungen unterschiedlicher Analysequellen:

 

  • Schraml (2006) analysiert den urbanen Waldbesitzer und kommt zu dem Ergebnis, dass zwar nur jeder zehnte Waldbesitzer in einer Großstadt wohnt, dass 'urban' vielmehr einen waldfernen, nichtbäuerlichen Lebenstil als eine räumliche Entfernung bedeuten kann.
  • In der Lausitz ergaben Erhebungen, dass 85 % der Waldbesitzer in Fahrentfernungen unter 30 Minuten wohnen (Wippel und Becker 2006; interner Bericht für den Holzabsatzfonds).
  • Ein ähnliches Bild zeigen Befragungen in der Eifel: demnach wohnen 80 % der Waldbesitzer in einer Entfernung von bis zu 20 km (Franzen und Wippel, 2006)
  • Sonderauswertungen zum Kleinprivatwald haben Becker und Borchers (2000) in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Während die mittlere Fahrentfernung aller Waldbesitzer zum Waldort 26 Minuten beträgt, fahren die Kleinprivatwaldbesitzer unter 20 Hektar Besitzgröße nur 9 Minuten bis zu ihrem Wald.

 

Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass zwar ein Großteil der Waldbesitzer nach wie vor in räumlich unmittelbarer Nähe zu seinem Waldbesitz wohnt; deutlich wird aber auch, dass Waldbesitzer größerer Flächen weiter entfernt wohnen und auch räumlich nahe an ihrem Wald wohnende Waldbesitzer 'waldfern' leben und arbeiten.

Beispiel Eifel: Hoher Anteil der Waldbesitzer nutzt selbst im Wald

Es stellt sich zudem die Frage, wer im Wald für die Nutzung zuständig ist. In der Befragung im ländlich geprägten Raum der Eifel gaben aus der Gruppe der Waldnutzer (regelmäßig oder auch unregelmäßig) immerhin zwei Drittel an, selbst die Holzernte im eigenen Wald durchzuführen. Nur 7% verlassen sich ganz auf Unternehmertätigkeit und 17% setzen entweder Unternehmer oder die eigene Arbeitskraft ein.

Sparen für schlechte Zeiten

Aus Studien oder auch durch praktische Vor-Ort-Erfahrung ist bekannt, dass Waldbesitzer ungern die eigenen Ressourcen angreifen. Bestätigung findet diese Haltung in einer Befragung im ländlichen Raum der Eifel. Während sowohl Preisentwicklung (Säulen links) als auch Nachfrageentwicklung (Säulen rechts) für Energieholz von der Mehrzahl als künftig steigend eingestuft wurde, gehen zwei Drittel von einer stabilen oder gar sinkenden Angebotsmenge aus.

 

Wie schätzen Waldbesitzer die Entwicklung von Preisen, Angebot und Nachfrage nach Brennholz ein?

Kleinprivatwaldbesitzer: nicht primär ökonomisch motiviert

Größere Betriebe orientieren sich eher an ökonomischen Zielsetzungen  Die Untersuchung von Becker & Borchers (2002) in Nordrhein-Westfalen bestätigt eine gängige Annahme: für Waldbesitzer größerer Betriebe sind die ökonomischen Motive, die mit dem Wald verbunden sind, wichtiger als für die kleineren Betriebe.

Für den Kleinprivatwaldbesitzer sind dagegen die ökonomischen Faktoren weit weniger bedeutend als für den Großprivatwaldbesitzer. Die Frage nach der Bedeutung für Lebensunterhalt und Grundbesitz wurde von dieser Gruppe zumeist mit weniger wichtig oder unwichtig klassifiziert.

Die subjektive Bedeutung der Motive (insbesondere der „harten“ ökonomischen) steigt mit der Betriebsgrösse.

Größerer Privatwald mit Wunsch nach mehr Fläche

Eher ökonomisch motiviert antworten ebenfalls die größeren Privatwaldbesitzer auf die Frage nach dem Zukauf von Wald. Für den kleineren Privatwaldbesitz ist dies eine Frage des damit verbundenen Zeitaufwands, oder aber die (absoluten) Einnahmen aus dem Waldbesitz sind im Vergleich zu dem sonstigen Einkommen so gering, dass auch eine zusätzliche Waldfläche die ökonomische Situation des Eigentümers kaum beeinflussen könnte.

Würden Sie gerne mehr Wald besitzen?

 

Weiterführende Links und Literatur

  • Die Motive der Privatwaldbesitzer in NRW. Becker G., Borchers, J., Mutz, R. (2000)
  • Waldbesitzermotive und ihre strukturelle Bedingtheit Umweltpsychologie. Mutz R., Becker, G. (2001)
  • Realisierung von Holzvorräten im Kleinprivatwald - Typen von Kleinprivatwaldbesitzern. Schaffner, S. (2001).
  • Urbane Waldbesitzer. Studien zur Beratung und Betreuung im nichtbäuerlichen Kleinprivatwald. Schraml und Volz, (2003)
  • Zwischen Allmende und Anti-Allmende: Eine Untersuchung zur Strukturenentwicklung des kleinflächigen privaten Waldeigentums unter den Bedingungen der gesellschaftlichen Transformation am Beispiel des Freistaates Sachsen. Schurr (2006)